Die Entwicklung des Mobilfunks: Technik, Tarife und Trends

Die Entwicklung des Mobilfunks: Technik, Tarife und Trends Viele Nutzer kennen noch Zeiten ohne Handy und mit teuren Minutenabrechnungen. Grund dafür ist die Tatsache, dass die mobile Technik für Jedermann erst seit ca. 25 Jahren zu haben ist. Und bezahlbar für die ganze Gesellschaft sogar erst seit 15 Jahren. Um die unterschiedlichen Entwicklungen zusehen und dabei auch auf die Geschichte der Tarife und Trends, müssen ein paar Jahre zurückgegangen werden. Dass die, heute so beliebte, Flatrate für alle Lebenslagen uns eine ständige Erreichbarkeit zum kleinen Preis bietet, ist erst seit ca. 8 Jahren zu verzeichnen. Auch der jetzt so variable Markt mit hohem Wettbewerb zwischen den Anbietern für günstige Preise zum Vorteil der Kunden kann erst seit dem Auftreten der Mobilfunkdiscounter verzeichnet werden. Wie im Folgenden noch genauer beschrieben wird, standen lange Zeit die Preise auf hohem Niveau und mahnten den sparsamen Gebrauch des Handys an. Mit ein Grund war die lange Zeit vorherrschende Monopolstellung der Telekom. Erst die zunehmende Liberalisierung des Marktes sorgte für weitere Anbieter und einen besseren Netzausbau, an dem sich mittlerweile alle großen Anbieter beteiligen, sind für stetig sinkende Preise und für eine Steigerung des Gebrauchs von mobiler Kommunikation verantwortlich.

Entstehung des Mobilfunks

C-Netz Telefon Bereits im Jahr 1958 wurde das A-Netz in Betrieb genommen. Um dieses nutzen zu können, benötigten Kunden ein Röhrengerät, welches den gesamten Kofferraum eines Wagens ausfüllte. Die Kapazität des Netzes belief sich auf nur 10.500 Teilnehmer, sodass nur ein geringer und wohlhabender Teil der Gesellschaft Zugriff auf die neue Technologie hatten. Hauptsächlich genutzt wurde die Kommunikation von Politikern und Unternehmern. Zwar wurde 1972 das B-Netz eingeführt, doch konnte dies nicht für eine Erleichterung der Nutzung sorgen. Weiterhin musste der Kunde den Standort des Angerufenen kennen, um zur richtigen Funkzelle verbunden werden zu können. Bei der Einführung des C-Netzes 1985 wurde dies hinfällig, da die Vermittlungstechnik bereits auf den digitalen Standard setzte. Es gab eine extra Vorwahl für das Mobilfunknetz, womit alle Teilnehmer erreichbar waren. Außerdem konnten nun auch Geräte erworben werden, die in der Hand zu halten und somit portabler waren. Zudem stieg die Kapazität des Netzes auf 850.000 Teilnehmer.

In dieser Periode sind Geräte und Telefonpreise immer noch sehr hoch, sodass die Anzahl der Nutzer erst mit Einführung des D-Netzes schlagartig zunahm. In Betrieb genommen 1991, war das neue Netz komplett digital und auf Grundlage des europäischen Standards GSM gegründet. Als besonders bequem wurde angesehen, dass eine Telefonnummer nicht mehr einem Gerät, sondern einer SIM-Karte zugewiesen wurde. So konnten 2004 eine Milliarde Kunden verzeichnet werden. Die Lizenz für das D-Netz besaß zunächst T-Mobile und Vodafone. Später kamen dann auch E-Plus (1994) sowie o2 (1998) mit dem E-Netz hinzu. Mittlerweile haben sich D-Netz und E-Netz Frequenzen zwischen den Anbietern durch Käufe und Verkäufe derart vermischt, dass heute kein Unterschied mehr getroffen wird und lediglich vom D-Netz die Sprache ist. Bereits Anfang der 1990er Jahre nahm die Anzahl der tragbaren mobilen Geräte stetig zu. Zwar kostete ein Gerät gerne noch 1000 Euro, dennoch sank der Preis durch die erhöhte Nutzeranzahl. Vor allem galt die neue Technik nicht mehr nur gutsituierten und Politikern, sondern wurde langsam aber stetig Alltagsgegenstand und Massengut. Eine einfache und flexible Erreichbarkeit war für alle Bürger von Europa von Interesse.

In dieser Zeit entstand auch der Short Message Service, der zunächst für eine günstigere Alternative zum Telefoniere stand. Die Anbieter rechneten sich allerdings keine großen Chancen mit diesem Standard aus, da das Buchstabensystem auf dem Handy für den Nutzer zu kompliziert sei und sie die Textnachricht als minderwertig betrachteten. Dass dem nicht so war, konnte schon kurze Zeit nach der Einführung festgestellt werden und die SMS war bis vor kurzen noch der meistgenutzte Datendienst auf dem Handy. Kleine Datenpakete zu verschicken mittels GPRS kam Ende der 90er auf im Zusammenhang mit der steigenden Popularität des WWW. Diese 2. Generation des Mobilfunks wurde zunehmend weiterentwickelt. CDMA und EDGE stellten Erweiterungen von GPRS dar und ermöglichte höhere Datenübertragungsgeschwindigkeiten. Doch stand die 3. Generation mit UMTS bereits in den Startlöchern. Weitere Technologien, wie HSDPA und HSUPA erhöhten den Standard mit vergleichbaren DSL Downloadgeschwindigkeiten und ermöglichten im 21. Jahrhundert schnelles mobiles Surfen. Der seit 2011 eingeführte LTE Standard als 4. Generation verspricht noch mehr Leistung und wird im Moment Europaweit ausgebaut.

Entwicklung der Mobilfunktarife

Allnet Flats Die Schritte bei Mobilfunktarifen können aufgeteilt werden in Minuten-, SMS- und Datenpaketgenaue Abrechnung. Dabei wird ein Festpreis vom Anbieter festgelegt, nachdem die in Anspruch genommene Leistung berechnet wird. Weiter gibt es die Abrechnung nach Kontingent-Tarifen, die besonders ab 2006 immer mehr in Mode kamen. Dabei bieten die Mobilfunkanbieter für Telefonieren, Simsen und Surfen unterschiedlich große Pakete gegen die Zahlung einer festen monatlichen Grundgebühr. Seit einigen Jahren vermischt sich diese Tarifvariante immer mehr zu vertraglich festgelegten Flatrates, die monatlich gegen einen Festpreis gewährt werden. Daraus entstanden seit 2008 Allnet Flatrates. Als Übergang ist hier E-Plus zu nennen, die im Jahr 2005 einen Tarif anboten, der es Kunden ermöglichte, in das E-Plus Netz und das Festnetz unbegrenzt zu telefonieren. Ab diesem Jahr war es auch bei den anderen Anbietern möglich, einzelne Flatrates hinsichtlich Telefonie und SMS zu erhalten. Surf-Flatrates kamen erst einige Jahre später zum Portfolio hinzu.

Als großes Problem galt lange Zeit die Vormachtstellung der Telekom, die für hohe Tarifpreise die Verantwortung zu tragen hatte. Erst mit der Zuschaltung von E-Plus und o2 Mitte und Ende der 90er Jahre konnten niedrigere Tarifpreise durch zunehmenden Wettbewerb realisiert werden. Ab 2005 startete dann die Welle der Discountanbieter wie z.B. Tchibo und simyo. Weitere Marken folgten. Nicht nur die Variabilität des Marktes wurde so unterstützt und den Preisfall bei mobiler Kommunikation, sondern auch die kundenindividuellen Vertragsangebote stiegen kräftig. Gab es in den 90er Jahren nur einige Hundert Tarife, finden sich heute Tausende in den unterschiedlichsten Varianten wieder.

Die Flatrate in der mobilen Kommunikation Deutschlands

Den Anfang machte 1998 MobilCom, die einen Tarif mit 100 Stunden für 100 DM anboten. Lange währte der Erfolg nicht, da das Angebot aus Kostengründen sehr schnell eingestellt worden ist. Auch andere Angebote in den 90 Jahren scheiterten an den hohen Mietkosten für die Frequenzen der Telekom. Zwar wurde zur dieser Zeit die Monopolstellung der Telekom beendet und weitere Anbieter waren zugelassen, doch verfügten diese nicht über die notwenige Bundesweite Netzstruktur. Daher konnte erst ab dem 21. Jahrhundert eine wirkliche Marktliberalisierung stattfinden. Unter der Marke BASE wurde 2005 eine Flatrate ins E-Plus Netz und in das Festnetz zum monatlichen Grundpreis angeboten. Auch T-Mobile und Vodafone boten dies ab 2006 an. Die Preise für die Festnetzflat an sich betrug ca. 15 Euro. Wollten Kunden auch noch eine netzinterne Flat, mussten sie mit Kosten zwischen 20 und 25 Euro rechnen. Außerdem gab es zu dieser Zeit nur die vier großen Anbieter T-Mobile, o2, Vodafone und BASE auf dem Markt, die diese Flats anboten.

Im Jahr 2008 konnte eine Festnetz-Flatrate bereits für nur 10 Euro erworben werden. Ein Jahr später kamen congstar und klarmobil.de auf den Markt und drückten die Preise für Festnetz- und Netzinterne Flatrate im Durchschnitt auf 10 Euro im Monat. Weitere Anbieter wie simply und simyo folgten. Auch die SMS Flatrate wurde zu dieser Zeit immer beliebter. Seit 2008 konnte sie bei fast allen gängigen Anbietern bestellt werden. Auch Prepaid Anbieter wie blau.de und myMTVmobile boten diese als buchbare Option zu ihren Tarifen an. Die Preise lagen damals um die 10 Euro im Monat.

Einige wenige Flatrate für alle Netze konnten 2007 schon gebucht werden. Zum Beispiel Freenet, aber auch o2 und BASE warten mit diesen Tarifen auf. Allerdings fanden Kunden diese Angebote nur in den höheren Preisklassen vor. Preise zwischen 70 und 100 Euro waren die Regel. Dabei ist zu beachten, dass es sich nur um Flatrates für das Telefonieren handelte. Für SMS und Surfen musste in den meisten Fällen extra bezahlt werden. Erst drei Jahre später im Jahr 2010 konnte eine Preisentspannung festgestellt werden. Das verdankten Kunden den neuen Anbietern klarmobil.de, congstar und 1&1. Eine Allnet-Flatrate ohne Internet und SMS konnte nun ab 30 Euro gebucht werden. In der Folgezeit wurden nun auch Tarife geschaffen, die zusätzlich eine Internet Flatrate innerhalb der Allnet Flat gewährten. Erst seit dem Jahr 2012 bieten viele ehemals reine Prepaidanbieter wie z.B. simyo oder blau.de auch Flatratetarife an. Dabei kann es sich um eine Allnet Flatrate handeln, aber auch um Minutenpakete und anderer variabler Kontingente. Zudem bleibt dem Nutzer meist die Wahl zwischen einer Vertragslaufzeit und einer monatlichen Kündbarkeit.

Im Falle der Internet Flatrate lässt sich sagen, dass diese erst vor kurzen so richtig populär wurde. Eine Flatrate mit Inklusiv-Datenvolumen ließ sich bei BASE mit der Doppelflat erst ab 2009 buchen. Auch o2 und T-Mobile starteten in diesem Jahr mit ihren Internet Tarifen. Die Surf-Flat war in vielen Tarifportfolios nun inklusive. Einzelnen Datenvolumen-Flatrates waren noch nicht buchbar. Somit sind die Tarifpreise zu dieser Zeit ab 30 Euro aufwärts festzustellen.

Handy Internet Flats mit Volumenbegrenzung Ab dem Jahr 2010 konnten die Internet Flatrates nun auch einzeln gebucht werden. Zunächst waren nur geringe Datenvolumina zu erhalten (50-500 MB); bald schon stieg das Inklusiv-Volumen auf zweistellige GB Zahlen. Der Preis und das Nutzerverhalten entscheiden heute, welche Datenflatrate gebucht wird. Die Preise hierfür schwanken stark zwischen den verschiedenen Flatrates und den Anbietern. Durch die große Konkurrenz ist eine Flat für einen durchschnittlichen Nutzer (500 – 1GB) bereits ab 10 Euro zu haben. Der Einstieg der Prepaid- und Discountanbieter in diesen Markt ermöglichte die stark fallende Preise für Kunden. Außerdem wurde das Netz nun stetig ausgebaut und auf neue Standards ausgerichtet. Vor allem mit der Beliebtheit des Smartphones wurde die Internet Flatrate fast schon ein angebotenes Muss der Mobilfunkunternehmen.

Flatrates: so gefragt, wie noch nie

Wie mehrere Umfragen und Statistiken in der letzten Zeit zeigen, besitzt ein Großteil der Handy bzw. Smartphone Nutzer mindestens eine Flatrate, wenn nicht sogar einen Allnet Flat Tarif. Schon die Entwicklung von 2010 bis 2012 zeigt einen deutlichen Anstieg der Personen mit einer Flatrate an.

Anzahl der Personen mit einer Flatrate für das Handy/Smartphone im Haushalt von 2010 bis 2012 (in Millionen)

Interessant dazu sind auch die Werbekosten in diesem Zusammenhang. Im Juli 2010 bewarb 1&1 seine neu auf den Markt gebrachte Allnet Flat mit rund 3,5 Millionen Euro teuren Werbemitteln. Das war die höchste Ausgabe in diesem Monat, die letztlich auf ein einziges Produkt des Anbieters zurückzuführen war.

Die am stärksten beworbenen neuen Produkte im Juli 2010 (Angaben in Millionen Euro)

Dabei deutete 1&1 die Zeichen der Konsumenten nur richtig. Denn gefragt nach Tarifmodellen, die einen als Kunden ansprechen, gab über die Hälfte der Befragten die Flatrate als Antwort an. Weit dahinter wurden mit 13% die Minutengenaue Abrechnung und mit nur 10% die Paketabrechnung genannt.

Welches Tarifmodell für Telefonate spricht Sie persönlich an

Auch wenn man die einzelnen Flatrate Angebote noch einmal genauer unter die Lupe nimmt, zeigt sich ein eindeutiger Trend hinsichtlich der Nutzerakzeptanz. Egal welche Flat – ob nun für das Telefonieren, Internet, SMS oder in Kombination – konnten einen Zuwachs von 2012 zu 2013 verzeichnen.

Anzahl der deutschen Handy/Smartphone-Nutzer mit Flatrate nach Art der Flatrate in den Jahren 2012 bis 2013 (in Millionen)

Das ist hinsichtlich der vermehrten Nutzung von Smartphones und mobilen Angeboten nicht weiter verwunderlich. Vor allem aber die günstigen Tarifpreise der Anbieter machen dies erst möglich. Und somit ist ein weiterer Anstieg der Flatrate-Nutzung anzunehmen.

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